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34 Nationen in den Spuren von Steffi Graf und Boris Becker


Es ist wieder die Zeit, in der in Mönchengladbach die älteren Freunde des einstmals Weißen Sports in Erinnerungen schwelgen. An diesem Samstag beginnen am Bunten Garten die 10. NRW Junior Open: Ein Jugendturnier mit knapp 200 Teilnehmern und Meldungen aus 34 Nationen. Es ist der kleinere Nachfolger eines großen Events (wie man heute sagen würde) vor allem der späten 60er, 70er und 80er Jahre: der Internationalen Jugend-Meisterschaften von Deutschland, die später German Junior Open hießen und 1996 ihre letzte Auflage in Mönchengladbach erlebten.

Vorbei war da die Zeit, als die Anlage der Tennis-Gesellschaft Rot-Weiß der Laufsteg für die Stars von morgen war – nur ahnte das zunächst kaum jemand, als Mädchen und Jungen gewannen, deren Namen allenfalls absoluten Insidern bereits bekannt waren.

Schon Björn Borg und Ivan Lendl räumten die Pokale ab

Boris Becker und Steffi Graf sind heute noch fast jedem präsent. Sie waren 1982 die Letzten, die den Sprung über ihre Jugend-Siege in Mönchengladbach an die absolute Spitze der Tenniswelt bei den Damen und Herren schafften. So wie vorher schon Björn Borg und Ivan Lendl, die zwei- bzw.dreimal zum Bunten Garten kamen und immer die Titel abräumten. Der spätere Wimbledonsieger Michael Stich, Pat Cash, Mats Wilander oder Gustavo Kürten haben es hier nicht sehr weit gebracht – die Konkurrenz war halt sehr stark.

40 Mal, von 1956 bis 1996, hatte es das internationale Jugendturnier hier gegeben. Es war nicht nur ein sportliches, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis, ein Treffpunkt nicht nur der Rot-Weiß-Mitglieder. „Damals konnte man sich Jahre später die Weltranglisten nehmen und sagen „Den habe, ich auf dem Platz gesehen, die und den ...“, erzählt Julia Sahner. Sie war die letzte Turnierdirektorin der German Junior Open – die 1996 zum letzten Mal in Mönchengladbach ausgetragen wurden, weil der TG Rot-Weiß das finanzielle Risiko ob der immer weiter steigenden Kosten zu groß erschien. Das Turnier wechselte 1997 nach Essen, wo ETUF es bis 2009 ausrichtete, ehe es nach Berlin wechselte.

Ulrich Bunkowitz, Ur-Rot-Weißer, war schon 1956 beim allerersten Jugendturnier am Bunten Garten (damals für Spieler aus der Stadt und der näheren Region) als zwölfjähriger Helfer dabei. Und war später ein halbes Jahrhundert lang Turnierdirektor, dann Vizepräsident Jugend und Sportdirektor des Deutschen Tennis-Bundes, Sportwart und Präsident des Tennis-Verband Niederrhein (TVN). Als die Internationalen Deutschen Meisterschaften 2009 nach Berlin wechselten, schuf der TVN sich einen Nachfolger, wenn auch auf kleinerer Ebene: das NRW Junior Open am Gladbacher Bunten Garten.

Das 50. Jugendturnier seit 1956 am Bunten Garten

Vom 14. bis 22. Juli gibt es dort nun ein erstes, kleines Jubiläum: die zehnte Auflage des NRW Junior Open und somit insgesamt das 50. Jugendturnier seit 1956. Es gehört nicht, wie früher das German Junior Open, zur allerersten Kategorie der Jugend-Tenniswelt, direkt hinter den vier Grand-Slam-Turnieren in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York, sondern zur Kategorie IV des Welttennisverbandes ITF - immerhin das bedeutendste internationale U18-Jugendturnier in Nordrhein-Westfalen.

Jetzt 48er Felder in der Qualifikation und in der Hauptrunde

Und es erfährt nun zum Zehnjährigen eine Aufwertung: Es werden 48er- statt 32er-Felder gespielt, in der Qualifikation wie in den beiden Hauptrunden. 400 Junioren und Juniorinnen aus 34 Nationen, haben sich angemeldet, viermal 48, also 192, dürfen kommen: Spielerinnen und Spieler aus den  n europäischen Ländern, aber auch u. a. aus Argentinien, Hongkong, Indien, Israel und den USA.

Alexander Zverev kam als Lucky Loser nicht über die erste Runde hinaus

Es ist nicht die Spitze der Welt, zumindest noch kein Ivan Lendl oder Björn Borg erkennbar, oder ein Boris Becker, eine Steffi Graf. Doch Vorsicht: 2011 war ein 14-jähriger Alexander Zverev am Bunten Garten dabei. Er verlor in der dritten Runde der Qualifikation und dann als „Lucky Loser“ in der ersten Runde des Hauptfeldes. Heute steht er in der Weltrangliste der Herren auf Platz drei ...

Steffi Graf war 13, Boris Becker 14, als sie in Gladbach siegten – und triumphierten drei bzw. vier Jahre später in Wimbledon. Bei Graf und Becker, noch mehr bei Borg und Lendl war es damals eine andere Tenniswelt. Die „Jugend von heute“ spielt ein viel athletischeres, druckvolleres Tennis. Die besten Spieler, die nun am Bunten Garten antreten, stehen auf den Jugend-Weltranglistenplätzen ab ab Platz 142. Sie hätten mit den Mädchen und Jungs von damals, ob Borg. Lendl, Graf oder Becker, wohl kein Problem. Ein fiktiver Vergleich, doch er verspricht für die kommende Woche attraktives Tennis.

Der TVN ist ein wichtiger Unterstützer

„Der Tennis-Verband Niederrhein ist auch diesmal ein wichtiger Unterstützer“, freut sich Turnierdirektorin Janka Piliar. „Wir sind sehr stolz, dass dieses ITF-Turnier in der Altersklasse U18, das zu den größten und wichtigsten internationalen Jugendturnieren in Deutschland gehört, wieder am Niederrhein stattfindet“, sagt TVN-Präsident Dietloff von Arnim.

Sven Thiergard und David Tesic im Hauptfeld

Mit einer Wildcard des TVN rücken der Düsseldorfer Sven Thiergard und David Tesic vom Gladbacher HTC aus der Qualifikation ins Hauptfeld, das auf der Zulassungsliste vom Polen Michal Mikula mit ITF-Rang 142 angeführt wird. Thiergard saß noch am vergangenen Sonntag beim Start der Herren-Bundesliga beim 6:0-Sieg des Rochusclub gegen den amtierenden Deutschen Meister Halle auf der „Ersatzbank“. In der Qualifikation ist Alen Moritz Hodzic vom TC Bredeney schon mal dabei; es könnten noch Spieler des TVN per Wildcard nachrücken.

Bei den Mädchen führt die Rumänin Onana Smaranda Corneanu (ITF 199) die Acceptance List an. In der Qualifikation stehen dort Laura Böhner (TC Bredeney), Noemi Leticia Sante (Düsseldorf-Nord), Leonie Schuknecht (Blau-Weiß Bottrop) und Isabel van Lent (Gladbacher HTC).

 

Zu den Feldern

So lief es 2017

Da ahnte kaum jemand, dass die 13-Jährige vier Jahre später Wimbledonsiegerin werden sollte: Steffi Graf 1982 bei der Siegerehrung durch Ulrich Bunkowitz.

2011: Alexander Zverev war 14, als er in Mönchengladbach antrat - und als Lucky Looser in der ersten Hauptrunde rausflog. Foto: Thomas Grulke

Turnierdirektorin Janka Piliar

Oberschiedsrichter Thorsten Thiele Foto: Klaus Molt

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