Jürgen Faßbender auf dem Golfplatz des Florida Ocean Club
Trainingslager bei Jürgen Faßbender (Zweiter von links) in Florida: der TVN-Nachwuchskader 2010.
Weitläufiges Resort Florida Ocean Club Foto: Jürgen ZiemannEin Wiedersehen in Düsseldorf
Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Tennisspieler: Jürgen Faßbender. Seine ersten Schritte machte er in Mönchengladbach, bei der TG Rot-Weiß. Nun beim World Team Cup in Düsseldorf gab es ein Wiedersehen des 64-Jährigen mit Freunden von damals.
Es ist beinahe so, als wäre es gestern gewesen. „Sobald ich die Schularbeiten fertig hatte, habe ich mich aufs Rad gesetzt und bin zum Tennisplatz gefahren.“ Jürgen Faßbender kennt noch genau den Weg, die Straßennamen. Und die der Mädchen und Jungen, mit denen er damals, Mitte bis Ende der 50er Jahre, Tennis gespielt hat: Brigitte Jöbges, Julia Bunkowitz und ihren Bruder Ulrich, Uli Vos, Mika Kaulen und der Autor dieser Zeilen zum Beispiel.
Jürgen Faßbender, der später zu den besten Tennisspielern der Welt gehören sollte, war 1955 als Siebenjähriger mit der Familie aus Wesseling nach Mönchengladbach gekommen. Johann Faßbender hatte die Stelle als Klubtrainer bei der TG Rot-Weiß bekommen. Jürgen sammelte die Bälle auf, wenn der Vater Erwachsenen Stunden gab. Und er verdiente sich ein paar Groschen auf der Anlage, wo der Balljunge zum guten Ton bei den Damen und Herren der feinen Tennis-Gesellschaft gehörte. Und bald probte Jürgen selbst die ersten Schläge.
„Es war eine tolle Kindheit und eine wunderschöne Zeit, die mein Leben auf einen guten Weg gebracht und in der ich sehr viel gelernt habe“, sagt der heute 64-Jährige. Disziplin vor allem: „Ich bin froh, dass ich in meiner Jugend einen so guten Aufbau bekommen habe und durch meinen Vater zu einem so schönen Sport gekommen bin. Disziplin ist das Wichtigste. Das sage ich noch heute den Schülern in meinen Tennisschulen.“
Niederrhein-Jugendkader in Faßbenders Florida Ocean Club
Zwei Schulen hat er. Die erste in seinem Sportpark in Eggenstein bei Karlsruhe. „Eines der schönsten Tenniscenter in Deutschland“, sagt er über die Anlage, in der seit Jahren die Deutschen Hallenmeisterschaften der Jungsenioren ausgetragen werden. Dazu betreibt er eine Schule in Florida. Auf einer Insel bietet der „Florida Ocean Club“ längst nicht nur Tennis, sondern viel Strand, ein breites Sport- und Freizeitangebot bis zu einem Neun-Loch-Golfplatz. Dort ist 2010 der Jugendkader des Tennisverbandes Niederrhein mit zwölf Spielern im Trainingslager gewesen. „Eine sehr schöne Anlage mit allen Sportmöglichkeiten, die bei den Jugendlichen gut angekommen ist. Sie sind auch gerne zum Shoppen in die Malls gegangen“, sagt TVN-Jugendwart Jürgen Ziemann.
15 Meilen entfernt hat Ivan Lendl ein Haus, der einstige Weltranglisten-Erste, mit dem Jürgen Faßbender sich nun schon mal trifft. Ganz so weit wie der Tscheche hat es Faßbender im Tennis nicht gebracht. Aber auch die Erfolge, die er nach dem Wegzug der Familie 1961 von Mönchengladbach nach Dortmund, später nach Köln, Hannover und Karlsruhe hatte, können sich sehen lassen.
44 Finalspiele auf der Welt, 20 Titel geholt
Er war zwischen 1968 und 79 bei 23 Daviscup-Begegnungen für Deutschland dabei, stand in 44 Finalspielen der ATP im Einzel und vor allem im Doppel. Vier Einzeltitel holte er: von 1972 in Düsseldorf bis 1975 in Boca Raton. 16 Mal gewann er im Doppel, meist mit Karl Meiler und Jürgen Pohmann, und 1968 auch noch mit dem legendären Düsseldorfer Wilhelm Bungert. 1973 stand Faßbender mit Pohmann im Halbfinale der French Open, 1975 mit Meiler im Halbfinale von Wimbledon. Dort hat er aber auch ein Erlebnis gehabt, das ihn noch heute wurmt: „Ich habe einmal durch eine Fehlentscheidung den Einzug ins Semifinale verpasst. Das hat richtig weh getan. Ich war in sehr guter Form, hatte vorher in Queens Jimmy Connors geschlagen.“
1975 bekam er in Wimbledon den Fairnesspreis. Auch Fairness hat er ganz früh vom Vater gelernt. Und das Tennisspielen. Was in den 50er Jahren allerdings noch nicht so früh wie heute begann, sondern erst mit frühestens neun Jahren. So war der achtjährige Jürgen nur als Balljunge und Helfer dabei, als 1956 die TG Rot-Weiß ihr erstes Jugendturnier ausrichtete, initiiert von Johann Fassbender und dem damaligen Klubvorsitzenden Dr. Günter Bunkowitz (dem Vater des heutigen TVN-Präsidenten). Es war damals der erste Wettbewerb, bei dem sich die Jugend des Niederrheins miteinander messen konnte.
Vater Johann Faßbender war Initiator des German Junior Open
Daraus entwickelte sich eine Veranstaltung, die zu den bedeutendsten Jugendturnieren der Welt wurde und als German Junior Open bis 1997 (dann kam der Wechsel nach Essen) Spieler aus bis zu 38 Nationen anlockte. Und bei der sich reihenweise Mädchen und Jungen präsentierten, die später als Erwachsene ganz oben in der Welt spielen sollten: Björn Borg, Ivan Lendl, Steffi Graf, Boris Becker, Michael Stich, Mats Wilander etwa. Jürgen Fassbender hat am Bunten Garten erstmals als Zehnjähriger mitgespielt. Und er hat später auch das Turnier gewonnen: die Klasse bis 16 Jahre, als er 1963 aus Dortmund mit seinem Vater anreiste.
„1973 habe ich die ATP mit gegründet. Erst dann gab es eine offizielle Weltrangliste. Bis dahin hieß es, Karl Meiler und ich gehörten im Doppel zu den zehn besten Spielern in Europa“, erzählt Faßbender. Im Einzel stand er 1973 auf Platz 31 – seine höchste Platzierung.
Als der Vater starb, musste der Sohn sich um die Familie kümmern
Geld nicht nur mit Tennis verdienen hatte er schon fünf Jahre vorher gemusst. 1968 war bei einem Unfall, sein Vater mit nur 51 Jahren gestorben. „Da stand ich plötzlich mit meinen drei Schwestern, meiner Mutter und einem Haus in Köln da, das noch nicht bezahlt war. Nur vom Tennis konnten wir nicht leben.“ So begann er, zum Missfallen mancher Leute, die Tennis noch als Amateursport sahen, sich eine weitere Einnahmequelle zu öffnen – als Generalvertreter eines bekannten italienischen Sportartikelherstellers. Seinen immer noch guten Namen als Spieler und später als Verbandstrainer (u. a. gehörte ein gewisser Boris Becker zu seinen Schützlingen) nutzt Jürgen Fassbender auch heute noch.
Seit einiger Zeit lebt er in Duisburg und wird demnächst, mit 64 Jahren, zum dritten Mal Vater. Sohn Jürgen Faßbender junior war übrigens 2011 Dritter bei der Deutschen Hallen-Meisterschaft der Jungsenioren 35+.
Internetseite Florida: http://www.fassbenderflorida.com/
Geschrieben am: 30 May 2012





