Scarlett siegt - Wiedersehen 2012?
Ein packendes Halbfinale, ein interessantes Endspiel, in dem die Berlinerin Scarlett Werner 6:0, 7:5 gegen Liza Ianchuk aus der Ukraine gewann.Die beiden Schlusstage des 1. Internationalen Damen-Turniers bei Grün-Weiß Ratingen waren ein guter Abschluss eines gelungenen Turniers zum 100-jährigen Jubiläum des Vereins, das 2012 seine zweite Auflage erleben könnte. Die Future-Turnierserie ist unterhalb der WTA-Turniere angesiedelt und gibt Spielerinnen die Chance, Weltranglistenpunkte zu sammeln und Siegprämien zu gewinnen.
Scarlett Werner ist wohl die Spielerin mit der abwechslungsreichsten Geschichte zumindest im deutschen Tennis: Sie galt lange als das größte Talent seit Steffi Graf. Mit 16 Jahren gab sie schon ihr Debüt bei den deutschen Fed-Cup-Damen. Doch 2002 musste sie bei einem Turnier in Acapulco nach einem Blinddarmdurchbruch notoperiert werden und kam nur knapp mit dem Leben davon. Im Februar 2003 gab sie ihren Rücktritt vom Profitennis bekannt und begann kurz danach ein Medizinstudium. Nachdem Scarlett so ein "normales Leben" leben konnte entdeckte sie die Freude am Sport, den Spaß am Spiel, die Liebe zum Tennis wieder und lebt seitdem den Traum, der ihr zuvor genommen wurde.
2009 startete sie ihre zweite Tennis-Karriere und gewann seither vier ITF-Turniere: im Vorjahr in Wiesbaden und Braunschweig, in diesem Jahr in Bournemouth und Velenje. Und nun in Ratingen das fünfte,
In der Vorschlussrunde am Samstag hatte die 26-Jährige gegen die Bochumer Bundesligaspielerin Dinah Pfizenmaier (19) sehr hart kämpfen müssen, um sich schließlich im dritten Satz durchzusetzen (6:3, 3:6, 6:4). Elizaveta Ianchuk, die im Achtelfinale mit Franziska Etzel von ETUF Essen die letzte Spielerin vom Niederrhein aus dem Rennen geworfen hatte, wurde mit Anna Klasen aus Gilfhorn beim 6:0, 6:4 schon deutlich schneller fertig.
Im Endspiel am Sonntag war es zunächst sehr einseitig. 6:0 und 4:0 führte die Favoritin, bis Liza Ianczuk es noch einmal spannend machte. Doch Scarlett Werner ließ sích nicht mehr wirklich aus der Spur bringen. "So war es doch noch ein interessantes Endspiel", sagte TVN-Präsident Ulrich Bunkowitz, der mit seinem Vize Dr. Helmut Lütcke die Siegerehrung vornahm. Und beide Finalistinnen machten sich gemeinsam auf den Weg zum nächsten Turnier.
Drei TVN-Mädels kamen ins Halbfinale
Es gab aber auch "Medaillen" für die Teilnemerinnen aus Niedrrhein-Vereinen. Im Doppel kamen drei bis ins Halbfinale: Katharina Jacob und Bernice van de Velde (beide ETUF Essen) schieden gegen Elizaveta Ianchuk/Karolina Wlodarczak (Ukraine/Australien), die späteren Turniersiegerinnen, 1:6, 3:6 aus, Antonia Lottner verlor zusammen mit der Britin Eleanor Dean 3:6, 2:6 gegen Katharina Hering und Dinah Pfizenmaier. Im Einzel hatte Toni Lottner übrigens gegen ihre Doppelpartnerin gewonnen, bevor sie in der zweiten Runde ausschied.
Wildcard als Geburtstagsgeschenk für Antonia Lottner
"Antonia hat sich auch im Einzel gut geschlagen, sie hatte nur etwas Pech bei der Auslosung", sagte Dr. Helmut Lütcke, 1. Vorsitzender des Ratinger TC Grün-Weiß und Vizepräsident des TVN. Die Deutsche U16-Meisterin vom TC Moers 08 war mit einer Wildcard ins Hauptfeld gekommen, nachdem Nicola Geuer aus dem Ratinger Bundesliga-Aufstiegsteam, an Position zwei gesetzt, wegen einer Augenentzündung hatte absagen müssen. Die Wildcard war gewissermaßen ein Geburtstagsgeschenk: Toni Lottner ist am 13. August 16 geworden.
Im Turnier setzte sie sich in der ersten Runde gegen ihre Doppelpartnein Eleanor Dean in drei Sätzen durch. Dann aber traf sie auf die Nummer fünf der Setzliste, die Polin Wlodarczak, und schied aus (6:7, 2:6). Auch Anna Marie Levers aus Moers erreichte die zweite Runde. Ann-Kathrin Wind (Moers-Asberg) verlor in der ersten Runde in drei Sätzen gegen die an Nummer 9 gesetzte Dänin Karen Barbat.
Kein bolliges Vergnügen für den Ausrichter, aber ein gelungenes
"Ein gelungenes Debüt dieses Turniers": Das ist das Fazit des RTC-Vorsitzenden Dr. Helmut Lütcke, der mit seinem Sportwart Daniel Meier an allen Fronten der Veranstaltung mit einem 64er-Qualifikationsfeld (50 Teilnehmerinnen) aktiv war. "Wir hatten Glück mit dem Wetter und die ganze Woche jeden Tag an die 200 Zuschauer. Gefreut hat mich, dass viele Besucher von den Ratinger Vereinen, aber auch aus dem weiteren Umfeld kamen", sagte Helmut Lütcke. "Das Turnier ist angekommen. Bei den Spielerinnen, die sich hier wohlgefühlt haben, und auch im tennisinteressierten Umfeld."
So dürfte unter dem finanziellen Schlussstrich "eine schwarze Null" stehen - obwohl solch ein Turnier nicht gerade billig ist. "Man braucht als Veranstalter neben den 10.000 Dollar Preisgeld, also rund 7500 Euro, noch einmal etwa die gleiche Summe. Denn in dieser Serie hält jeder die Hand auf. Man muss an die ITF ebenso zahlen wie dafür, zur HEAD German Masters Series zu zählen.Und so weiter", sagt Dr. Lütcke. Dennoch denkt man im RTC Grün-Weiß an eine zweite Auflage im kommenden Jahr - "wenn die Sponsoren weitermachen oder wir andere finden".
Mehr Infos zum Turnier unter
www.rtc-tennis.de/content/wsh_ratingen_open
www.itftennis.com/womens/tournaments/tournamentoverview.asp?tournament=1100024838
Geschrieben am: 21 Aug 2011

